Boni de Castellane

Ce blog est dédié à la vie et à l'oeuvre de Boni de Castellane, un dandy sous la IIIème République.

21 novembre 2004

Article du quotidien allemand "Die Zeit" consacré au Palais Rose

Chauffeure, Köche und die Sendboten der Großen Vier

Am Rande der Konferenz im Palais-Rose Aus DIE ZEIT Nr. 22 vom 2. Juni 1949, S. 2 

Boniface Graf de Castellane, Abkömmling der Könige von Arles, war der erste Franzose von gesellschaftlichem Rang, der eine titellose, dafür aber reiche Amerikanerin heiratete, Anna Gould, die Tochter des Eisenbahnkönigs. Im Jahre 1897 weihte "Boni", wie ganz Paris den ebenso geistreichen wie skrupelarmen Gemahl der Dollarprinzessin nannte, mit dieser und viertausend Gästen das Palais-Rose ein, welches er in rosafarbenem Marmor am Rande des vornehmen Wohnviertels zwischen dem Arc de Triomphe und dem Bois de Boulogne mit einem schier unglaublichen Luxus für die Summe von dreißig Millionen Goldfranken hatte erbauen lassen.


Die von Thomas Mann in "Königliche Hoheit" so entzückend geschilderte Liebesgeschichte des deutschen Prinzen mit der reichen Amerikanerin ist ein biederes Idyll von Veilchen und Vergißmeinnicht neben dem, was sich in diesem Palais zwischen Anna Gould und Boni de Castellane abgespielt hat, wo sie unter den Augen und Ohren der Gesellschaft eine Hochehe von Szenen führten. Denn Castellane war alles andere als ein Tristan und hatte seine Frau den ganzen Liebesbecher allein trinken lassen. Es war bald bekannt, daß man in dem Palais-Rose sozusagen mit gezückten Messern lebte und sich mit epigrammatisch zugespitzten Worten bedolchte. So hatte "Boni" eines Tages das Schlafzimmer seiner Frau Besuchern mit den Worten gezeigt: "Und dieses ist die Buß- und Sühnkapelle".

Im Jahre 1911 ließ Anna Gould, des Zynismus und der Untreue des Grafen müde, sich scheiden und heiratete bald darauf dessen Vetter, den Herzog von Talleyrand-Périgord, Prinzen von Sagan, als dessen Witwe sie heute in New York lebt. Ihr Palais hat sie 1939 verlassen; während des Krieges diente dieses eine Zeitlang dem deutschen Kommandanten von Groß-Paris, dem General v. Stülpnagel, als Residenz. Seit einigen Jahren steht es unbewohnt unter der Obhut des Monsieur Pierre, der Intendant des Hauses seit 1910 ist.

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Monsieur Pierre, über sechzig Jahre alt, ist der älteren, der Proustschen Generation der französischen und internationalen Gesellschaft eine vertraute Erscheinung. Hat er doch unzählige Besucher gemeldet und einige tausend Diners und Soupers überwacht, darunter das sensationelle Verlobungsfest des letzten Königs von Spanien, das im Palais-Rose stattgefunden hat! Monsieur Pierre war beunruhigt, als er hörte, daß die Herzogin auf die Bitte des Quai d'Orsay ihr Haus der französischen Regierung für die Konferenz der vier Außenminister zur Verfügung gestellt hat. Als erstes schaffte er das vergoldete Gestühl des großen Salons fort, in welchem er nur vier der breiten Sessel ließ, für den Gebrauch der Minister. Nicht ohne Mißtrauen wohnte er der Installierung der hundert Telefonleitungen bei, die das Haus während der Konferenz mit der ganzen Welt verbinden. Die Umgestaltung einiger Räume zu Bureaus für die Minister und deren Mitarbeiter nahm er mit Achselzucken hin. Dagegen fand das höhere Personal des Hotel Grillon, welches der Quai d'Orsay für die Dauer der Konferenz in das Palais-Rose engagierte, Gnade vor seinen sehr geübten und kritischen Augen.

Freilich sparte Henri Robert, der berühmte "Chef" des Grillon, der die Nationalspeisen jedes europäischen Landes zubereiten kann, nicht mit Anerkennung, als er die Küchen des Palais-Rose in Besitz nahm; er fand, daß Boni de Castellane, was immer für ein Don Juan er gewesen sein mag, das Haus mit Herden hat versehen lassen, vor denen ein großer Kochkünstler sich nichts vergibt.

Außer dem Zarissimus Joseph dem Ersten gibt es kein gekröntes oder ungekröntes Staatsoberhaupt der weißhäutigen Menschheit, für das Henri Robert nicht schon gekocht hat. Ähnliches gilt für Limousine, der beliebten Maitre d'hôtel des "Grillon". Er hat sie alle bedient und kann sich rühmen, der ewig unzufriedenen Königin eines kleinen, tugendstrengen Landes ein Lob entrungen zu haben, was keinem der Hofbeamten jener nörgelfesten Majestät jemals gelungen sein soll.

Monsieur Dumaine, der Chef des Protokolls am Quai d'Orsay, hat es nicht nötig, Limousine die Photos der Diplomaten zu zeigen und ihn über deren unbedingt zu berücksichtigenden Eigenheiten zu instruieren, denn der Maitre d'hôtel kennt diese, und das Außenministerium kann sich auf ihn ebenso gut verlassen wie auf Louis Gauthier, den Barmann des "Grillon", der ebenfalls in das Palais-Rose eingezogen ist und mit seinen Cocktailbechern das schwerste Problem bereits gelöst hat: das Getränk für die Sowjetdelegierten! Die Russen verabscheuen bekanntlich die amerikanischen Mischungen. Gauthier hütet aber sein Geheimnis und verrät nicht, was er Herrn Wyschinski vorschlagen wird, sollte dieser die Bar des Palais-Rose aufsuchen. Denn Wyschinski lehnt, seiner Leber wegen, Kaviar und Wodka  sonst so beliebt in den höheren Sowjetschichten  ab, ein Umstand, der denen zu bedenken geben sollte, die es nicht glauben wollen, daß der russische Außenminister triftige Gründe hat, die böhmischen Bäder so ungemein zu lieben.

Der Aufzug des Palais-Rose ist Letellier, dem feinsinnigen und vielleicht deshalb so kahlköpfigen Cheflifter des "Grillon", anvertraut worden. Mit wem ist Letellier in seinen dreißig Dienstjahren nicht schon auf- und abgeschwebt in dem altmodischen Fahrkasten des "Grillon", und welcher der amerikanischen Generäle zweier Kriege, von Pershing bis zu Clay, hat ihm die Langsamkeit des Aufzugs im Hotel "Grillon" nicht vorgeworfen! Dies wird ihm im Palais-Rose nicht widerfahren. Dort ist  wie übrigens auch im Quai d'Orsay  nichts zu sagen gegen den Lift, er fährt atlantisch schnell und leise und kann keinen Diplomaten verärgern.

Wie man sieht, hat die französische Regierung nichts unterlassen, wenigstens die Tücke der Objekte auszuschalten (der eines Diplomaten ist ja schwerer beizukommen ) und um Enttäuschungen des Gaumens vorzubeugen, auf daß wenigstens vor dort her keine Verstimmung der hoffentlich starken Vernunft der Delegierten Abbruch tue und damit dem Frieden der Welt schade.

Die Akteure

Dean Gooderham Acheson fällt durch sein für einen Amerikaner ungewöhnliche Zurückhaltung, ja, Behutsamkeit des Sprechens und der Gesten auf. Für seine 56 Jahre  er ist Vater von drei Kindern  wirkt er jung. Im Gespräch mit Journalisten, deren Fragen er wenig liebt, pflegt er die Hände auf dem Bauch zu falten und die Belästiger durch seinen kühlen, geradezu "britischen " Blick zu entmutigen. Bisher hat man ihn außer im Smoking immer in dem gleichen marineblauen Anzug gesehen, von dem sich sein rostroter Schnurrbart vorteilhaft abhebt. Achesons Chauffeur, ein naturalisierter Russe, der einen schwarzen Cadillac fährt, ist den Journalisten freundlicher gesinnt als der Fahrer Wyschinskis. So erfährt man, daß der amerikanische Staatssekretär Wilhelms des Zweiten Leidenschaft für Schreinerarbeiten teilt und die Möbel seines Landhauses mit eigener Hand und ohne fachmännische Hilfe hergestellt hat. Auch darf niemand die Bäume und Büsche seines Gartens beschneiden, das tut er selber. Die Nelke, und zwar die rote, ist seine Lieblingsblume. Unsachliches Gerede ist ihm der Greuel aller Greuel, was ihn nicht hinderte, einer der ersten Rechtsanwälte der Staaten zu werden

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Ernest Bevin. Kein Journalist darf auf ein Sonderinterview mit ihm hoffen. Er läßt die Presse durch den mit den Zeitungsleuten immer höflichen Sir Alexander Cadogan empfangen. Bevin ist zur Eröffnung der Konferenz wie gewohnt in einem miserabel sitzenden Anzug erschienen und bedachte den Luxus des Palais-Rose mit den gleichen grimmigen Blicken, welche die Sowjetdelegierten so gut an ihm kennen. Bevin ist der bestbewachte der vier Minister. Besucht er das Hauptquartier der englischen Delegation, so verläßt zunächst ein hochgewachsener, breitschultriger Detektiv den Vordersitz des verpanzerten Humber (27 PS). Gleich darauf entsteigen dem Innern zwei ähnliche Riesen, und erst dann darf der Minister den Fuß auf das Trottoir setzen und die zwei Schritte bis zur Drehtür des Hotels machen, in dessen Halle die französische Polizei, als Liftiers, Portiers und Gepäckträger verkleidet, die Sicherheit Bevins verbürgt. Offizielle Veranstaltungen, besonders Essen, schätzt Bevin nicht. Wenn es möglich ist, speist er allein mit seiner Gattin Florence, die es dem französischen Kollegen ihres Mannes sehr übelgenommen haben soll, daß er diesen vor kurzem auf der französischen Botschaft zu London dazu verleitet hatte, Schnecken in der hier üblichen Zubereitung zu essen. Die Ausschweifung sei Herrn Bevin schlecht bekommen, und er habe sie mit einem mehrtägigen Fasten bei fadem Hühnerfleisch und Mineralwasser büßen müssen.

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Andrei Januariewitsch Wynschinski fährt zum Erstaunen der Pariser zuweilen ohne die Eskorte von bewaffneten Motorradfahrern, die Molotows Wagen während der mißratenen Friedenskonferenz beschützten, durch die Straßen. Das Automobil ist ein schwerer, schwarz lackierter Zis von klassischer Form ohne amerikanische Vernickelung. Das Fanion mit Hammer und Sichel auf rotem Grund ist über dem linken Kotflügel angebracht. Der Chauffeur scheint taub und stumm zu sein. Er ist die Verzweiflung der Journalisten, auf deren Fragen er nicht einmal mit einer Wendung des Kopfes reagiert. Er blickt stramm vor sich hin, wohl in gerader Luftlinie in das wachsame Auge Moskaus. Wyschinski selbst liebt die Presse gleichfalls nicht, wenn sie fragt. Dagegen belehrt er sie gern. Die fällige Schulstunde hat aber noch nicht stattgefunden. Zum Essen im Elysée erschien er in einem einfachen, mäßig geschnittenen schwarzen Anzug, wie sie bis in die dreißiger Jahre alle respektablen Franzosen trugen, die seitdem aber die hellen Stoffe entdeckt haben. Wyschinski soll nicht fähig sein, eine Unpünktlichkeit zu verzeihen. Mögen die Uhren aller anderen Staatsmänner immer richtig gehen! Seine Ungeduld ist sprichwörtlich. Bei seiner Ankunft in Orly brachte er den Chef des Protokolls Dumaine in die größte Verlegenheit, denn er wollte noch auf dem Flugplatz erfahren, wann er Herrn Schuman seine Aufwartung machen könne. Dumaine, der seinen Minister bei einer Konferenz mit Bevin und Acheson wußte, konnten nicht beim Quai d'Orsay anfragen und sagte auf gut Glück: "Ihre Stunde wird auch die von Herrn Schuman sein." Worauf Wyschinski zum Entsetzen Dumaines direkt zu Schuman fuhr, der aber wunderbarerweise sich gerade von seinem englischen und amerikanischen Kollegen verabschiedet hatte, als Wyschinskis Wagen in dem Hof des Auswärtigen Amtes vorfuhr.

Bis jetzt hat Wyschinski die Teilnehmer der Konferenz nur ein einziges Mal zum Lächeln gebracht. Er schlug nämlich in der zweiten Sitzung vor, das Himmelfahrtsfest zu respektieren und an diesem Tag die Verhandlungen zu suspendieren. Die drei anderen hielten es nicht so streng mit der Religion und sprachen sich gegen diesen Zeitverlust aus.

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Robert Schuman. Er ist der einzige Junggeselle unter den vier Ministern. Der hervorstechende Zug des französischen Außenministers ist seine natürliche Einfachheit. In Washington, wo er kürzlich verhandelt hat, war man entzückt von ihm, weil er nicht ein einziges mal Lafayette und sonstige Glorien der Vergangenheit erwähnt hat und weil er das, was er zu sagen hatte, sachlich und nüchtern vortrug. Sein Verständnis für die deutsche Wirklichkeit hat ihm in Washington für Frankreich mehr genutzt als jede engstirnige Verteidigung unmittelbarer, rein französischer Interessen. Die Journalisten empfängt Schuman am liebsten nur dann, wenn sie ihm versprechen, nichts über ihn zu schreiben. So sieht er gern Pierre Brisson, den einflußreichen Direktor des Figaro, weil dieser sich rühmen kann, noch nie eine Indiskretion begangen und alle Rekorde der journalistischen Entsagung geschlagen zu haben. Jede Art der Verschwendung von Staatsgeld ist Robert Schuman verhaßt. Nie reist er in dem ihm zustehenden Salonwagen, er läßt nicht einmal ein Abteil für sich reservieren, und man kann ihn oft allein auf dem Ostbahnhof unter den Reisenden entdecken, wenn er sich zum Wochenende in seinen lothringischen Wahlkreis begibt. Sein Automobil ist ein gewöhnlicher Serienwagen von Citroën. Wein und Tabak schätzt er nicht hoch. Er ist Frühaufsteher und bringt damit den Gärtner des Quai d'Orsay in Harnisch, den es kränkt, nicht vor dem Minister auf den Beinen zu sein. Schuman ist ein Freund der Literatur, auch der deutschen, in der er Lessing besonders schätzt. Letztes Jahr fand er während einer schweren politischen Krise  damals war er Chef der Regierung  die Zeit, an einem Nachmittag inkognito einer deutschsprachigen ungekürzten Aufführung der "Minna von Barnhelm", die nur einmal stattfinden konnte, im Theátre du Vieux-Colombier beizuwohnen. Die Stellen Riccauts de la Marinière schienen ihn sehr zu ergötzen; man sah ihn noch schmunzeln, als er sich nach der Vorstellung in der Garderobe geduldig anstellte, um seinen Mantel abzuholen.

Wie starr und gefährlich auch das Gesetz sein mag, nach dem eine jede Nation in der Geschichte eine Rolle spielt  vieles hängt dennoch von den Charaktereigenschaften der vier Minister ab, die der Welt den Frieden verschaffen sollen, und so bleibt uns nur zu wünschen übrig, daß diese vier während der Verhandlungen im Palais-Rose von einem guten Geiste beseelt seien!

Posté par Boni à 15:53 - Lieux - Commentaires [2] - Permalien [#]

Commentaires

    marriage

    il me serait agréable de recevoir une copie de l'acte de marriage de ana gould avec boni de castellane

    Posté par julesmaxico, 22 février 2005 à 10:40
  • famille

    j'avais précédemment demandé une copie de l'acte de marriage de boniface de castellane et ana gould.Il me serait aussi agréable de connaitre le nom et l'adresse de la personne qui vendit le terrain sur lequel se trouvait le palais rose ainsi que le nom et l'adresse de l'acheteur.
    reponse par e-mail a julesmexico@aol.fr

    Posté par julesmexico, 24 février 2005 à 08:42

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